Von nix kommt nix!

 

 

Warum ein Atheist mehr glauben muss als ich:

 

Ein Grundkurs des Glaubens

 

 

Ein überzeugter Atheist,

der fluchte leise „So ein Mist!“,

als er einmal spazieren ging

und sah ’n schönen Schmetterling.

„Mir ist, als würde ich heut’ krank.

Mein Herz möchte’ flüstern: Gott sei Dank!“

 

(R. Fuchs)

 

 

Inhalt

 

A) Einleitung Teil 1: Worum geht es? Ein paar Gedanken

     vorweg.

 

B) Einleitung Teil 2: Die Sonntagspredigt eines Freundes.

 

 

1. Sind wir ein Zufall und allein im Universum?

 

1.1 Schöpfung ohne Schöpfer?

 

1.2. Was sagt die Bibel wirklich?

 

1.3 Sollen wir an Marsmännchen glauben?

 

1.4 Das Märchen vom Froschkönig

 

1.5 Warum Atheisten viel mehr "glauben" müssen als ich

 

(U. a. hier: Wieso gibt es allüberall in der Schöpfung so viel Leid?)

 

1.7 Lebensfreude statt Selbstüberforderung!

 

1.8 Zwei Texte zum Mitstaunen und - wenn du magst - Danken

 

 

2. Hat sich uns der Schöpfer zu erkennen gegeben?

 

2.1 „Allein die Bibel“

 

2.2 „Allein Jesus Christus“

 

2.3 „Allein durch Glauben“

 

2.4 „Allein durch Gnade“

 

 

3. Können wir mit ihm in Vertrauensbeziehung leben?

 

4. Kann man mit Gott sprechen?

 

Formen des Gebets: Stille vor Gott, Stille vor Gott mit einem Psalm oder anderen Bibeltext, Lob, Dank, Bitte, Fürbitte, Klage, Gebet allein, gemeinsames Gebet

 

5. Können wir der Bibel vertrauen, die uns dazu einlädt?

 

6. Spricht Gott zu uns?

 

7. Muss man als Christ in die Kirche gehen?

 

8. Was ist der Sinn des Lebens?

 

9. Was ist mit den anderen Religionen und Weltanschauungen? 

 

Ist jeder seines Eigenen Glückes Schmied?

 

 

10. Schlussgedanken - und - wie geht's weiter?

 

 

11. Nachtrag: Christlicher Glaube - die beste Sache der

      Welt oder völliger Unsinn?

 

Unter 11. findest du meine Zehn Antwortversuche auf zehn kritische Anfragen von Atheisten an den christlichen Glauben. Ich werde unter diesen Überschriften schon hier vor dem Kursus jeweils kurze Denkanstöße voranstellen, zu 11.2 sogar schon ein bisschen mehr schreiben, aber: Ausführlicher wird es erst am Ende des Kurses nach den Kapiteln 1 - 10 später. Hier der Vorabüberblick auch über Kap. 11:

   

11.1 Warum passieren guten Menschen schlimme Dinge? 
        Fragt schon die Bibel und gibt uns zwar nicht "die" Antwort, aber

        manche vorläufigen Teilantworten. Und sie fragt: ist Gutes wirklich nur

        gut? Ist Schlimmes wirklich nur schlimm? Mehr dazu unter 11.1

 

11.2 Warum hat kein einziges der biblischen Wunder Jesu auch nur 

       einen Beweis hinterlassen?

       Geschichtliche Ereignisse der Vergangenheit - und erst recht aus der

       Vergangenheit berichtete "wundersame" Ereignisse, die uns mitgeteilt

       werden - können gar keine "Beweise" hinterlassen.

       Sondern: sie hinterlassen, wie jeder Wissenschaftler weiß, nur

       Indizienbeweise, Wirkungen, schriftliche Zeugnisse. So, wie ein Stein,

       den man ins Wasser wirft, Wellen schlägt, die sich ausbreiten. Vom

       geschichtswissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet stimmt es

       also nicht, dass bibliche Wunder keine "Beweise" hinterlassen

       haben. Denn: Sie haben sehr wohl Indizienbeweise hinterlassen.

       Hier schon ein Beispiel vorab:

 

Es gibt eine Menge Indizienbeweise dafür, dass Wunder der Bibel geschehen sind: Sie veränderten nachweisbar die Welt. Und wenn von nix nix kommt, muss eine Weltveränderung Ursachen haben. Ein vergleich zwischen anderen historischen Persönlichkeiten und Jesus Christus sei hier schon angestellt:

 

Dass Sokrates, Julius Caesar oder Karl der Große gelebt und die Welt verändert haben, kann keiner Beweisen, aber die Wirkungen ihrer Philosophie oder Politik samt den uns überlieferten schriftlichen Zeugnissen erlauben Wissenschaftlern, ein Wahrscheinlichkeitsurteil darüber zu fällen, ob die drei Männer gelebt haben oder nicht.

 

Dass über 500 Menschen vierzig Tage lang den auferstandenen Jesus Christus erlebt, gehört, gesehen haben und dann - von ihm beauftragt! - loszogen und Menschen zur Taufe in den Bund mit ihm einluden, wird uns 20-25 Jahre nach der Kreuzigung Jesu von einem klar denkenden, hochintelligenten Ex-Feind Jesu und der Christen berichtet, der mit den Worten schließt: "Auch mir ist er erschienen. Deswegen habe ich mich ihm angeschlossen und lade nun zum Vertrauen auf ihn ein!" (vgl. 1.Korintherbrief im NT, dort Kap. 15). Seine Kehrtwende brachte ihm nur Nachteile im irdischen Leben ein und schließlich sogar die Hinrichtung durch Caesar Nero in Rom. Der Mann hieß Paulus, war Jude, hatte das erklärte Ziel, die Christen auszulöschen, trat dann aber "über Nacht" zum Glauben an den Messias Jesus über, feierte plötzlich, wie die anderen jüdischen Augenzeugen, am Sonntagmorgen Gottesdienst (statt zuvor Samstags), weil an einem Sonntagmorgen Jesus auferstanden war, und brachte auf vielen Reisen zu Land und zu Wasser (bis zu 18.000 km!) auch den Glauben an Jesus nach Europa. Statt Andersdenkende weiterhin zu verfolgen, predigte er nun: "die Liebe zu Gott und allen (!) Menschen ist das Größte Geschenk! Ich kann nun so lieben, weil mein Gott und Herr alle Menschen gleich liebt!" (vgl. etwa 1. Kor 13,Ves 13;  Röm 8,28; 1. Timotheusbrief 1,15-2,7). Besonders sein längster Brief, der Römerbrief, inspirierte u. a. Martin Luther und brachte die Ev.-Luth. Kirche hervor. Wir können nicht beweisen, dass Paulus gelebt hat, dass der Auferstandene ihm erschien usw., aber: Die unerklärliche Wende vom Jesus-Hasser zum weltverändernden Jesus-Verkündiger, der Weltliteratur und weltverändernde Literatur schrieb, muss eine heftige Ursache gehabt haben - wie ebenso die Tatsache von Weihnachtsfeiern weltweit. Von nix kommt nix! Die wundersame Lebenswende des Paulus war sozusagen ein Stein, der im Teich der Weltgeschichte Wellen auslöste. Sie veränderten die Welt, auch deine und meine, total. Die Briefe und 2000 Jahre anhaltenden Wirkungen dieses Menschens sind starke Indizien für wundersame Ereignisse im Leben des Paulus und aller über 500 Augenzeugen, die er noch kannte und die mit ihm dasselbe bezeugten. Selbst ein inzwischen verstorbener nichtschristlicher Bibel-Forscher wie der Jude Pinchas Lapide (gest. 1997) erklärte uns Studenten der ev. Theologie in einem Vortrag zum Neuen Testament: Auf Grund des Zeugnisses des Paulus in 1. Kor 15 sei an der Tatsache der Auferstehung Jesu seiner wissenschaftlichen Meinung nach nicht zu rütteln. Er meine daher, dass der Gott der Juden Jesus mit der Auferweckung aus dem Grab für alle Nichtjuden zu einem Helfer auf dem Weg zum Glauben an ihn eingesetzt habe. Durch die Aufgerstehung von Gott selbst bezeugt! (vgl. auchLapides Position im Artikel "Auferstehung Jesu Christi" bei Wikipedia und dort im Abschnitt: "Verhältnis zur Auferstehung der Toten"). Und die Tatsache, dass Paulus gelebt und obiges Zeugnis von Jesus im 1. Korintherbrief abgelegt hat bzw. die Auferstehung Jesu selbst, sind vielleicht die in der Antike bestbezeugten Fakten überhaupt. Der 1. Korintherbrief wird von allen Forschern als echt und seine Worte als vollständig und zuverlässig überliefert eingestuft. Die Indizienbeweise für die Auferstehung Jesu sind historisch einzigartig klar und deutlich, ja, erdrückend.

 

Aber - mehr zu diesem Thema - siehe unter 11.2 am Ende dieses Kurses!

 

11.3 Wie erklären wir uns, dass Dir Jesus nie leibhaftig erschienen

       ist?

       Diese Frage hat Jesus selbst beantwortet, aber auch angekündigt,

       dass diese Begegnung für alle Menschen noch stattfinden wird!
       Mehr dazu unter 11.3

 

11.4 Warum will Jesus von Dir, dass Du seinen Leib isst und sein Blut

       trinkst?

       Will er das wirklich? Das Neue Testament weiß davon nichts.
       Mehr dazu unter 11.4

 

11.5 Warum werden Christen ebenso häufig geschieden wie

       Nichtchristen?

       Stimmt das echt? Umfragen beweisen das Gegenteil und - verraten

       uns das 2000 Jahre alte Geheimnis gelungener Ehen und Familien

       nach den Ratschlägen des Neuen Testaments. Und: die meisten

       gescheiterten Ehen, die vor dem Altar Gottes geschlossen wurden,

       zerbrachen eben nicht deswegen, weil sie nach der Bibel geführt,

       sondern weil die biblischen Leitlinen ignoriert wurden, allen voran das

       tägliche, gemeinsame Gebet und aktive Leben in einer christlichen

       Gemeinde. Mehr dazu unter 11.5

 

11.6 Warum heilt Gott keine Amputierten? Was ist Heilung?

       Arbeitet Gott nicht durch medizinische Forschung und Chirurgen

       gegen das Leid der Welt?
       Mehr dazu unter 11.6

 

11.7 Warum leiden so viele Menschen auf der Welt Hunger?

        Nicht wegen Gott, sagt die WHO, sondern durch uns... 85 Menschen 

        der Nordhalbkugel der Erde besitzen z. B. derzeit so viel Geld wie die

        hälfte der Menschheit der Südhalbkugel... Ist das Gottes Wille? Bis 80

        % der (immer mehr werdenden) deutschen Millionäre engagieren sich

        über die Steuerabgaben hinaus nicht sozial, so ein deutscher Millionär

        aus Hamburg, Peter Krämer (vgl. auch den Artikel zu ihm bei

        Wikipedia). "Eigentum verpflichtet" ist ein von ihnen nur

        erzwungenermaßen so viel wie nötig gübter Grundsatz.

        Und last but not least: Laut WHO könnte diese Welt sogar

        in ihrem heutigen, von uns durch unzählige Naturfrevel erzeugten

        Zustand immer noch 12 Milliarden Menschen ernähren! Wir haben, so

        die Welternährungsorganisation, also gar kein Ernährungs-, sondern

        ein Verteilungsproblem...
        Mehr dazu unter 11.7

 

11.8 Warum verlangt Gott den Tod so vieler Unschuldiger in der

        Bibel?

        In der Bibel begenet uns kein "lieber" Gott, sondern auch der

        rätselhafte Gott...Im Neuen Testament verlangt er das gar nicht. Aber -

        im Alten Testament gibt es Stellen, die kein Christ verstehen kann, der

        die 39 Bücher des Alten Testaments durch Jesus kritisch lesen lernt.

        Mehr dazu unter 11.8

 

11.9 Warum steht in der Bibel so vieles, was wissenschaftlich

       unhaltbar ist?

       Manche Texte der Bibel wurden zu früh von der Wissenschaft für

       unglaubwürdig erklärt. Manche Bibeltexte wollen auch gar nicht

       historisch-wörtlich "wahr" sein, aber: es sind dennoch wahre Texte,

       nämlich voller Wahrheiten über uns und unseren Umgang mit Gott und

       unserer Mitwelt. Mehr dazu unter 11.9

 

11.10 Warum befürwortet Gott in der Bibel so häufig Sklaverei?

          Tut er nicht... Der biblische Gott geht von der Realität aus, die

          Menschen einander antun - und verändert sie durch Liebe,

          manchmal über Jahrhunderte hinweg, weil Menschen, nicht Gott, z.

          B. Sklaverei befürworten und sich darin von Gott nichts sagen

          lassen. Gott stärkt im AT die Rechte der Sklaven. Die Skalverei und

          auf Sklaverei bauende Wirtschaft geriet durch bibellesende Christen

          schon im Römerreich und auch im Europa des 19. Jh. ins Wanken.

          Auch Sklaven bekommen schon im AT einen Ruhetag pro Woche

          usw. Wobei laut 1 Mose 1-2 Gott ursprünglich nur freie Menschen in

          einer intakten Welt ersehnte. Alles Leid der Welt udn alle

          Unterdrückung sind schon ab 1. Mose 3 Resultate der Abkehr von

          Gottes ursprünglichem Willen.

         

          Lektüreempfehlung: der Philemonbrief im Neuen Testament, der viel

          dazu beitrug, dass wahre Christen - mit dem Neuen Testament in der

          Hand und im Namen Gottes - gegen die Sklaverei vorgingen. Von

          Atheisten des 19. Jhs sind solche und andere Aktionen für

          Unterdrückte und Rechtlose - jedenfalls mir - nicht bekannt.

          Umgekehrt wäre die westliche Welt heute nicht so frei und voller

          sozialer, medizinischer, pädagogischer usw. Errungenschaften -

          ohne die Menschen, die sie von der Bibel her anstrebten...

          Mehr dazu unter 11.10

 

Soweit eine Übersicht über die Einleitung, die 10 Kapitel des Glaubensgrundkurses und des 11. Nachtrags-Kapitels. Für kritische Anmerkungen bin ich dankbar, z. B. im Gästebuch!

 

Nun geht's los:

 

 

A) Einleitung Teil 1: Worum geht es? Ein paar Gedanken vorweg

 

Nina Pauer trifft in ihrem Buch »Wir haben keine Angst« (S. Fischer Verlag, 3. Aufl. 2012) den Nagel auf den Kopf, wenn sie fragt: „Was, wenn wir im Job, in der Liebe, im gesamten Lebensstil ein falsches Jetzt leben, das das richtige Später verhindert?“ Und wenn’s um Glauben geht: Sollte es einen Schöpfer unseres Lebens geben, der uns einzigartig begabt und begrenzt hat, um uns an einem ganz bestimmten Platz in seinem Wunder Leben optimal einzusetzen – dann würden wir alles verpassen, was es zu verpassen gibt, alles, was sich echtes Leben nennt, alles, was uns wirklich zufrieden und glücklich macht, alles, wofür wir geschaffen und erträumt worden sind von Gott - wenn wir jetzt ohne ihn, an ihm und seinem Plan vorbei oder gar gegen ihn leben...

 

Ein ehemaliger religiöser Terrorist, der mit Gewalt gegen die Christen vorging, kam zum Glauben an Jesus Christus. Viele Jahre später dann schaut er am Ende seines Lebens begeistert auf seinen Weg seit der großen Wende in seinem Leben  zurück. Er hatte ihn als Prediger der Liebe, des Glaubens, des Friedens zurückgelegt. Er gerät dabei vor 2000 Jahren regelrecht ins Staunen und Schwärmen, wenn er auf die Christen schaut, die wirklich tun, was Jesus sagt, und schreibt:

 

"Wir sind ein (Kunst)Werk Gottes! Wir wurden von ihm geschaffen, um Gutes zu tun! Gott hatte dieses Gute schon im Voraus geplant, damit wir  unseren Lebenssinn darin finden, es zu tun." (Paulus, in der Bibel, im Brief an die Epheser, Kap. 2, Vers 10).

 

Auch ich habe in diesem Sinn meinen Platz in der Welt gefunden, den Plan Gottes für mein Leben. Ich bin sehr dankbar und froh darüber - und: darum lade ich dich dazu ein, Gottes Traumplatz für dein Leben zu suchen, z. B. mit diesem Grundkurs des Glaubens.

 

Merksatz bis hierher: Wir sollten uns um nichts so sehr kümmern  wie um unsere Zukunft, denn sie ist der Ort, an dem wir den Rest unseres Lebens verbringen werden!

 

 

B) Einleitung Teil 2:

 

Die Sonntagspredigt eines Freundes

 

Bevor ich mit dem Versuch beginne, dir Brücken zu deinem Platz im Wunder Leben zu bauen, lade ich dich ein, einem Freund von mir zuzuhören. Wir, der Jörg Arndt und ich, haben uns in den 1980ern als Studenten an der Uni kennen gelernt. Er belächelte damals mein Vertrauen zu dem Gott, den ich durch Jesus gefunden habe. Später ließ er sich auf diesen Gott ein, fand seinen Platz in Gottes Wunder Leben und ist heute Pastor wie ich. Neulich schickte er mir per E-Mail eine Sonntagspredigt zu, die ich diesem Kurs (mit seiner Erlaubnis) voranstellen möchte. Denn: die Worte Jörgs laden in seiner typisch spannenden und zugleich klaren Art und Weise dazu ein, sich nicht hinter Fragen über Fragen zu verbarrikadieren. Sondern: den Weg des Vertrauens zu riskieren - aber: lies selbst, was Jörg uns zu sagen hat:

 

Predigt zu

 

Joh 12, 34-36 

 

Message: Wir sollen uns nicht hinter unseren Fragen verschanzen, sondern Glaubensschritte tun.

 

Eine Gruppe ranghoher Politiker kam zu einem Empfang zusammen. Es gab Champagner und ein erlesenes kaltes Buffet. Im Hintergrund spielte ein Kammerorchester leise Musik und die hohen Herrschaften waren in angeregte Gespräche vertieft. Plötzlich fliegt die Tür auf. Rauchschwaden dringen in den Saal und ein aufgeregter Sicherheitsbeamter meldet, dass im unteren Stockwerk ein Feuer ausgebrochen sei. Treppenhaus und Fahrstuhl seien schon unpassierbar, darum möge man sich bitte unverzüglich über die Feuerleiter in Sicherheit bringen. Die Sache hätte gut ausgehen können, wenn nicht der persönliche Adjutant eines Staatsbesuchers die Forderung erhoben hätte, dass sein Chef als Erster in Sicherheit zu bringen sei, schließlich sei er ja als Gast hier. Dagegen erhob der Protokollchef sofort Einspruch. So ginge das nicht – auch in einem Notfall müsse selbstverständlich die protokollarische Reihenfolge eingehalten werden. Und somit gebühre dem Staatspräsidenten der Vortritt. Im Nu entstand eine hitzige Debatte um die protokollarisch richtige Reihenfolge der Rettungsaktion. Damit sich in der Zwischenzeit nicht etwa jemand unvorschriftsmäßig und gegen alle Etikette in Sicherheit bringen konnte, ließ der leitende Sicherheitsoffizier den Zugang zur Feuerleiter erst einmal von seinen Leuten abschirmen. Die Rauchschwaden wurden immer dichter, man hörte das Feuer schon prasseln, aber die Diskussion kam keinen Schritt weiter. Schließlich hatte der Staatspräsident eine Idee: Wir gründen einen Ausschuss! Die Beteiligten waren einverstanden und gingen zugleich ans Werk. Zuerst wurden die Vorfragen geklärt. Man einigte sich darüber, wer Mitglied dieser Kommission sein sollte und wählte in geheimer Wahl einen Vorsitzenden. Während sie noch darüber diskutierten, ob es einen Protokollführer geben müsse, brach das Feuer mit Macht herein. Alle Anwesenden fanden den Tod. In den Zeitungen wurde viel darüber spekuliert, warum sich keiner der Gäste über die völlig intakte Feuerleiter retten konnte.

 

Das ist eine ziemlich skurrile Geschichte und frei erfunden ist sie außerdem, denn natürlich würde niemand in dieser Situation so reagieren. Hoffentlich.

In geistlichen Fragen allerdings scheint uns dieses Verhalten ganz normal zu sein. Da wehrt sich jemand jahrelang dagegen, auf seinen Glauben hin angesprochen zu werden, indem er immer das gleiche Argument ins Feld führt:

 

Er könne nicht verstehen, warum Gott all das Böse in dieser Welt zulasse und darum auch nicht glauben. Und egal, was jemand ihm auch von seinem persönlichen Leben mit Jesus erzählt, alles prallt an diesem einen Argument ab. Das kann ziemlich frustrierend sein, vor allem, wenn einem an diesem Menschen gelegen ist. Deswegen fand ich es spannend, zu sehen, dass ein ähnliches Verhalten auch in der Bibel beschrieben wird.

 

Ich lese aus der Bibel den vorgeschlagenen Predigttext aus dem Evangelium nach Johannes 12,34-36. Wir springen mitten hinein in eine angeregte Diskussion zwischen Jesus und dem Volk. Jesus ist in Jerusalem, es geht auf die Passion zu; er weiß, dass er bald sterben muss, und deutet dies mehrfach an.

 

Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. (Joh 12,34-36)

 

Das muss man sich mal vorstellen: Diese Menschen waren Zeitzeugen von unglaublichen Ereignissen. Jesus hat Kranke geheilt, Tote auferweckt, Wasser in Wein verwandelt, hat ihnen mit seinen Gleichnissen und Predigten ins Herz gesprochen und ihnen immer wieder die Liebe Gottes und den Weg zum ewigen Leben vor Augen gemalt. Unmittelbar vor diesem Abschnitt erzählt Johannes, dass sogar die Stimme Gottes vom Himmel ertönt ist. Und trotzdem zweifeln die Leute noch immer an ihm und kommen mit einer theologischen Streitfrage. „Wer ist dieser Menschensohn?“ Das hätten sie gerne. Mit Jesus in Ruhe diskutieren. Eine theologische Kommission gründen, die diese Fragen in Ruhe erörtert. So wie die protokollarisch richtige Reihenfolge der Rettung bei Feueralarm. Und solange diese Fragen nicht geklärt sind, braucht man sich auch nicht auf Jesus einzulassen und kann ungestört weiterleben wie bisher. An den Universitäten wird diese Frage übrigens seit Jahrhunderten erörtert: „Wer ist dieser Menschensohn?“ Über 80-mal benutzt Jesus in den Evangelien diesen Ausdruck, und die Gelehrten diskutieren darüber, ob diese Stellen wirklich echt sind, oder ob man Jesus dieses Wort nachträglich untergejubelt hat. Und wenn Jesus das wirklich so gesagt haben sollte – meint er dann sich selbst damit oder meint er jemand anderen? Und wenn er sich selbst meint, handelt es sich dann um eine inklusive oder eine exklusive Selbstreferenz?

 

Man kann ganze Bücher und Doktorarbeiten über dieses Thema schreiben, ohne dabei geistlich auch nur einen Zentimeter voranzukommen. Aber Jesus lässt nicht mit sich diskutieren. Aus gutem Grund: Die Zeit drängt. Er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird, dass das Kreuz auf ihn wartet. Und er weiß auch: wer ihn bisher erlebt hat, wer seine Predigten gehört hat, wer bei seinen Wundern dabei war, wer seine Streitgespräche verfolgt hat und immer noch nicht begriffen hat, mit wem er es bei Jesus zu tun hat, der wird es erst recht nicht begreifen, wenn er ihn am Kreuz sieht.

 

Wer es nicht gelernt hat, Gott in den schönen Dingen des Lebens zu erkennen und ihm zu danken, der wird erst recht Schwierigkeiten haben, inmitten von Finsternis und Anfechtung an ihn zu glauben. Wer in den guten Tagen seines Lebens mit Gott nichts zu tun haben will, der wird in seinen dunklen Tagen erst recht mit Gott nichts anfangen können. Darum verweist Jesus so vehement auf das Licht, das eben jetzt noch da ist. Noch geht es, sagt Jesus, noch könnt ihr eure Augen öffnen und zum Licht kommen, aber es gibt ein zu spät!

 

Das ist die Dramatik unseres Glaubens: Gott hat große Geduld und viel Verständnis für allerlei Fragen und Zweifel. Aber es gibt einen Punkt, an dem eine Entscheidung fallen muss, oder sie wird niemals mehr getroffen werden. Im Grunde entscheidet man sich für Jesus, oder dafür, sich für alle Zeiten hinter seinen Fragen und Zweifeln zu verbarrikadieren. Lasst Eure Fragerei beiseite, sagt Jesus, und tretet in mein Licht ein, solange ihr noch die Möglichkeit dazu habt! Versteht mich recht. Fragen ist nicht grundsätzlich verboten. Ein Glaube, der keine kritischen Fragen aushält, taugt nichts. Ein Glaube, der mich zwingen würde, meinen Verstand auszuschalten, kann mich nicht in schweren Zeiten tragen, der wäre ja nur eine Seifenblase, bei der ich ständig fürchten müsste, dass sie platzt. Aber der Weg zu Gott führt nicht über den Verstand. Der Verstand ist wie eine Taschenlampe, die in die Richtung leuchtet, in die ich sie halte. Wenn ich nach Gründen suche, die dagegen sprechen, dass es einen Gott gibt, dann findet mein Verstand sie.

 

Wenn ich nach Gründen suche, die für die Existenz Gottes sprechen, dann finde ich sie auch. Entscheidend ist also mein Wille, oder biblisch gesprochen mein Herz, das den Verstand aussendet. Der christliche Glaube ist nicht in erster Linie eine Lehre, die ich studieren muss, sondern er ist ein Weg, den ich zu gehen habe. Sonst wäre es ja so, dass die klügsten und gebildetsten Leute auch die Gläubigsten sein müssten. Und das ist ganz und gar nicht der Fall. Sonst hätte Jesus keine Fischer in sein Team berufen, sondern Professoren und andere studierte Leute. Es kommt nicht darauf an, dass wir alles verstehen. Es wird im Glauben immer offene Fragen geben und zu viel Wissen macht aufgeblasen. Viel wichtiger ist es, dass wir das wenige, das wir verstanden haben, auch umsetzen. „Glaubt an das Licht, … , damit ihr Kinder des Lichtes werdet“, sagt Jesus. Also, kommt heraus aus dem Halbdunkel eurer Welt hinein in Gottes Licht. Handelt wie ein Mensch, der das Licht nicht zu fürchten braucht: Du kannst deinem Nächsten Gutes tun, auch wenn du nicht sicher bist, ob du an die Jungfrauengeburt glauben kannst oder nicht. Du kannst um Christi willen ein ehrlicher Mensch sein, auch wenn du dich fragst, wie denn das mit dem Heiligen Geist zu verstehen ist. Und du kannst mit der Sünde in deinem Leben aufräumen, auch wenn dir nicht klar ist, ob nun Gott den Menschen geschaffen hat, oder ob wir die Affen als Ur-Großeltern hatten.

 

Verstecke dich nicht hinter deinen Fragen, sondern lebe nach dem, was du verstanden hast. Damit hast du fürs Erste genug zu tun. Lebe als ein Mensch, der das Licht nicht zu scheuen braucht. Und bleib locker dabei. Sei ein Kind des Lichtes, kein verkrampfter Erwachsener, der alles 120% richtig machen will und am Ende einer von diesen stolzen Pharisäern wird. Es hat etwas Spielerisches, mit Jesus zu leben. Es geht einfach darum, seine Liebe fließen zu lassen, Fantasie zu entwickeln, das Licht Jesu durch uns hindurchscheinen zu lassen.

Wir können dieses Licht nicht selber machen, es kommt von ihm. Aber wir können daran arbeiten, die Dinge aus unserem Leben zu entfernen, die das Licht blockieren. Lüge und Unehrlichkeit. Illegales. Unreines – alles, bei dem man Angst davor haben muss, dass es ans Licht kommen könnte. Aberglaube. Okkultismus – Wahrsagerei und ähnliches. Schlechtes Reden über andere

hinter deren Rücken – „aber sag niemandem, dass du das von mir hast!“. Verletzende Worte. Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Darum schlage ich dir vor, dass Du Dir mal ein stilles Plätzchen suchst und Jesus einfach mal selbst fragst: „Herr, bitte zeige mir, wo es Dinge in meinem Leben gibt, die deinem Licht im Weg stehen! Was ist der nächste Schritt, den du von mit erwartest?“ Es kann spannend sein, sich wirklich dieser Frage auszusetzen.

 

Jesus will dich zu einem Kind des Lichtes machen. Egal ob du 15 oder 50 oder 80 bist. Deine Berufung ist es, diese Welt ein kleines bisschen heller zu machen.

Du sollst Zuversicht und Vertrauen ausstrahlen in einer Welt der Angst. Du sollst Bereitschaft zur Vergebung zeigen in einer Welt der Rache und des Hasses. Du sollst Freundlichkeit und Wärme ausstrahlen in einer Welt der Kälte. Du sollst ehrlich sein in einer Welt des Betruges. Und eben nicht sagen: „Das machen ja alle“, sondern „im Namen Jesu – ich mache das anders!“ Je mehr solche Lichtlein brennen, je mehr Kinder des Lichts unterwegs sind, desto heller und wärmer wird es in unserer Welt. „Glaubt an das Licht“, sagt Jesus. Der Glaube ist der erste Schritt. Das Vertrauen auf ihn, die Beziehung zu ihm – alles andere wächst daraus. Und zwar nicht von heute auf morgen. Das wäre ja toll: Wir bräuchten uns nur einmal für das Licht zu entscheiden und schon wäre das Thema Sünde in unserem Leben ein für alle Mal erledigt. Aber so ist es ja nicht. Sondern als Kinder des Lichtes müssen wir, wie alle anderen Kinder dieser Welt

auch, erst mal laufen lernen. Und dabei werden wir hinfallen. Das geht gar nicht anders. Wir machen ein paar Schritte, wir stolpern, fallen hin, rappeln uns wieder auf, machen noch ein paar Schritte, stolpern, fallen hin, heulen, werden getröstet, rappeln uns auf, machen ein paar Schritte … – das haben wir alle hinter uns! Es ist schon ein paar Jahre her, aber wir alle haben in unserem

Leben das Laufen gelernt. Und unsere Eltern haben uns nicht verworfen, weil wir darin nicht sofort perfekt waren. Im Gegenteil. Sie haben über unsere ersten unbeholfenen Schritte vor Freude gejubelt, haben Fotos gemacht – heute gibt es davon Videos, die werden stolz auf Facebook gezeigt: „Seht mal, die ersten Schritte unseres Kindes!“

 

Der Vater im Himmel empfindet genauso. Er freut sich über unsere Schritte und sagt: „Lass dich nicht entmutigen. Du bist ein Kind des Lichts, weil du mein Kind bist! Und mit jedem Schritt, den du tust, wirst du mich besser erkennen. Und am Ende, ganz am Ende, werden auch alle deine Fragen beantwortet sein.“

 

Soweit Jörg's Predigt (Du kannst seine Gemeinde besuchen: http://www.kirchengemeinde-havetoft.de).

 

Wenn dir die Predigt gefallen hat - kannst du weitere von Jörg lesen in seinem klasse Buch:

 

 

Wer's glaubt wird selig...

 

eine Reise durch das Glaubensbekenntnis.

16 Predigten von Pastor Jörg Arndt

Taschenbuch 12,60€

 

Bestellung siehe: http://www.kirche-havetoft.de/Buchbestellung.html

 

Merksätze bis hierher: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" (Erich Kästner) Auch nicht im eigenen Leben! Wir sollten uns nicht hinter Fragen über Fragen verschanzen, sondern Vertrauensschritte riskieren, wenn wir Gott finden möchten. Und: Nicht unser Kopf ist groß genug und nicht unsere fünf Sinne sind ausreichend, sondern unser Vertrauen ist die "Antenne", mit der man Gott suchen, finden und seine Liebe erfahren kann. "Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen", verspricht Gott z. B. im Jeremijabuch in der Bibel, Kap. 29, vers 13-14. Man sollte Wasser also nicht irgendwie in der Wüste suchen, sondern mit den richtigen Mitteln und dort, wo es auch zu finden ist...  

 

Nun stelle ich aber doch eine Frage - und beginne damit den Grundkurs Glauben:

 

 

1. Sind wir ein Zufall und allein im Universum?

 

Ein Gleichnis

 

Eine Mäusefamilie wohnte in einem Klavier. Täglich hörten sie Musik. "Woher kommt die schöne Musik?", fragten die Mäusekinder ihre Eltern und Großeltern. "Da draußen ist ein Klavierspieler. Der Macht die Musik. Er ist ein wahrer Künstler!" Die Mäusekinder liebten die Musik und den Musiker, der durch so etwas Schönes, Großes ihr Leben bereicherte. Was für ein Meister musste das sein???! Herrlich!

      Eines Tages aber kletterte ein neugieriges Mäuschen mit Namen Gagarin ein Stück hinauf - und kam mit viel Wissen zurück. "Es gibt gar keinen Musiker da oben. Die Musik wird von schwingenden Drahtseilen erzeugt." Nun waren die Mäuse aber enttäuscht. Sie liebten die Musik - und wussten, woher sie kam.

      Etwas später wollte ein kritisches Mäuschen mit dem Spitznamen "Hirn" die Informationen von Gagarin prüfen und stieg noch weiter hinauf. "Gagarin hat sich geirrt!", kam es aufgeregt zurück. Die Musik kommt gar nicht von schwingenden Drähten, sondern - tata!: Filzhämmerchen schlagen die Saiten an und so entstehen die Töne."

      Das nächste Mäuschen mit Namen Manfred Seitz entdeckte Neues, als es höher und höher und höher geklettert war. "Die Hämmerchen werden von feinster, geräuscharmer Mechanik bewegt. Wir sehen, liebe Mitmäuse: die Musik organisiert sich selbst!"

 

Der Klavierspieler aber spielte weiter seine herrlichen Melodien, die tiefste Gefühle auslösten. Was Musik im Wesen war, warum so etwas Schönes, Großes sie so sehr ergreifen konnte und sogar zum Tanzen oder Lachen oder Weinen brachte, blieb den Mäuschen ebenso unerklärlich groß, schön und verborgen wie schon ihren Urgroßeltern. Nur - sie hatten verlernt, zu staunen.

 

Gibt es den "Klavierspieler" - den Schöpfer - oder leben wir in einem durch Zufall entstandenen, großen Wunder Leben, in dem viele, viele winzigste und riesengroße Zusammenspiele in uns, um uns und im ganzen Universum dafür sorgen, dass wir, du und ich, leben, denken, fühlen, sprechen und handeln können? Was für eine Melodie des Lebens ist da in mir und um mich, für mich da! Was für eine unzähligfach vernetzte, vielfältige Komposition! Was für ein Zusammenspiel belebt uns jede Sekunde, nicht wahr? Das reicht vom Wunder des Blutkreislaufs und Immunsysthems in uns bis hin zur Produktion von Sauerstoff und Vitaminen und, und, und - durch Plankton, Pilze, Pflanzen und Tiere um uns. Wir leben auch durch Anziehungs- und Schwerkräfte und Licht-, Wärme- und Kältezusammenspiele im Universum u. v. a. m. Gibt es jemanden, der das Konzert des Lebens komponierte und spielt? Hast du schon mal über Sätze wie den von Albert Einstein nachgedacht: "Wenn die Biene ausstirbt, sterben die Menschen vier Jahre später aus"? Einstein wusste, dass kein Insekt auf Erden Pflanzen so blütentreu bestäubt  wie die Biene. Nur die Biene fliegt von morgens bis abends ein und dieselbe Blumenart an, hat sie sich erst einmal am Morgen für eine Art entschieden. Andere Insekten "naschen" kreuz und quer drauflos. Sie sind nicht ansatzweise so effektive Bestäuber wie die Biene. Daher ist die Biene in der Natur unersetzbar kostbar für die Vermehrung der Pflanzen, die sich per Pollen fortpflanzen. 80 % aller Landpflanzen, glaube ich gehört zu haben, stürben ohne die Biene aus. Das wäre unser Ende.

 

Also: Gibt es einen Schöpfer, der solche Zusammenspiele zu unseren und aller Lebewesen Gunsten kreiert? Oder Leben wir in einer

 

 

1.1 Schöpfung ohne Schöpfer?

 

Wenn wir die ersten beiden Kapitel der Bibel lesen, sollten wir uns nicht durch die üblichen Vor-Urteile vom Staunen abhalten lassen! Natürlich muss niemand glauben können, dass ein Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Das gehört jedenfalls nicht zum Muss und Kern des christlichen Glaubens. Aber – wenn wir die sieben Tage einmal beiseite lassen – dann kann man schon ins Staunen geraten: Woher wussten die Menschen, die die Texte in 1Mose 1-2 schrieben, Jahrtausende vor der modernen Naturwissenschaft, was diese uns über die Entstehung der Welt und des Lebens gegenwärtig genauso mitteilt?

 

Moderne Naturwissenschaft fragt nur, wie etwas entstand. Sie versucht keine religiösen Deutungen und will keine Antworten auf die Frage nach einem "höheren Sinn" geben. Sie beschreibt nur, was unser Auge und Ohr (mit modernsten Mitteln verstärkt) wahrnimmt. Aber:

 

Der Glaube an Gott, den Schöpfer, den ich mit den Verfassern der Texte 1Mose 1-2 teile, fragt nicht nach dem Wie, sondern nach dem Woher, Wozu, Wohin des Lebens. Die moderne Naturwissenschaft weiß nicht, wie überhaupt das Leben aus unbelebter Materie entstehen konnte. Wie tote Materie lebendig wurde. Der Glaube weiß dies auch nicht, aber er glaubt, dass die Erschaffung von Lebendigem nur einer „höheren Intelligenz“ möglich war, da menschliche Intelligenz kein Leben schaffen kann. Der Mensch kann nur das vorhandene Rätsel oder Wunder Leben z. B. durch Zucht von Rosensorten oder durch positive Erziehung von Kindern gestalten oder durch Umweltzerstörung und Fehlverhalten verunstalten, meistens mit Folgen über Generationen. Durch falschen Umgang mit dem Leben, mit Kindern, mit sich selbst kann der Mensch das Wunder Leben gefährden (vgl. das dramatische Artensterben!). Die Bibel erklärt, woher das Leben kommt. Von Gott. Sie sagt, wozu ich es als Mensch bekommen habe. Um nach Gottes Gebot und Rat die Welt und das Leben darin zu lieben, zu genießen, zu gestalten und für alle zu schützen. Und wohin die Reise geht, sagt die Bibel auch. Ich habe mich nach diesem Leben vor Gott zu verantworten.

 

Positive Naturwissenschaft kann helfen, besser mit dem Leben umzugehen. Raffgierige und militärische Naturwissenschaft kann alles vernichten helfen, was leben möchte. Jedes Kind kann ein Weizenkorn kauen, aber alle Wissenschaftler der Welt können kein’s bauen.

 

Feine Details der Art und Weise der Entstehung und Erschaffung von Leben und Lebewesen sind in 1Mose 1-2 (= die ersten beiden Kapitel derr Bibel) nicht Thema. Thema ist das Woher?: Alles wurde von Gott geschaffen. Wozu: Tiere sollen leben und genießen. Der Mensch soll alles Leben genießen, gestalten und beschützen. Das glaubt der Glaube. Im naturwissenschaftlichen Sinn beweisen kann er Gott nicht. Gott passt nicht ins wissenschaftliche Forschungslabor und Gehirn des Menschen.

 

Der norwegische Philosoph und Autor Jostein Gaarder hat in folgendem kurzen Dialog auf den Punkt gebracht, was ich meine (so ungefähr):

 

"Ich war schon oft im Weltraum", protzte der Kosmonaut, "aber ich habe weder Gott noch Engel gesehen." "Und ich habe schon viele kluge Gehirne operiert und seziert", antwortete der Gehirnforscher, "habe aber nirgendwo auch nur einen Gedanken entdeckt."

 

Gott kann man nur durch Vertrauen finden, sagt Jesus. Er sagt auch wie genau. Jesus lädt jeden Menschen dazu ein: „Riskiere es! Probiere und tu, was ich sage und du wirst sehen, dass ich in guten Tagen da bin und dein Leben mit meiner Liebe reich mache und dich in schweren Zeiten trage" – und du wirst staunend erleben, wie Gott selbst machtvoll in dein Leben spricht und wirkt (vgl. im Matthäusevangelium den Anfang und Schluss der dort überlieferten Worte Jesu: 5,1-12 und 7,24-28). "Du findest den Sinn und Auftrag deines Lebens - es hell machen, wo es dunkel ist!" (vgl. Matthäusevangelium 5,1-16; 25,14-30). Und: „Tu, was ich dir sage und du wirst erleben, wie vorher nicht gekannte Lebensfreude in dein Leben einzieht“ (vgl. Lukasevangelium 11,28). „Du wirst erleben, wie Gott in dein Lebenshaus einzieht“ (vgl. Johannesevangelium 14,21.23).

 

Schon im sogenannten „Alten Testament“, also in den Bibelteilen, die vor der Zeit Jesu entstan